Die Wirtschaftskrise wurde noch eine Weile schöngeredet und unter
den Teppich gekehrt - aber mittlerweise sind wohl auch fast die letzten
Berufsoptimisten / Schönredner verstummt.
Es steht nun eine
spannende Zeit bevor. Nicht nur, dass die Angst um den eigenen
Arbeitsplatz oder den Lebensstandard wieder "spannend" wird - nein, die
Frage ist, wie die Welt nach diesem Tief aussehen wird.
Es ist
offensichtlich, dass sich das weltweite Wirtschaftssystem in den
letzten Jahren wie im Rausch vollkommen überhitzt hat und die
Finanzwirtschaft sich in ungesunder Weise als Herren der Welt von der
Realwirtschaft abgekoppelt fühlten. Anscheinend ist diese Ära nun zuEnde - Regierungen und Wirtschaftslenker in aller Welt sind momentan sehr aktiv dabei, die Rahmenbedingungen neu zu definieren.
Die
Veränderungen sind notwendig und gut auf mittlere oder lange Sicht -
aber wie schon Keynes sagte "on the long run we are all dead". Was wird
nun passieren in den nächsten Monaten bis Jahren - wird es "nur" eine
Weltwirtschaftskrise mit all ihren hässlichen Folgen oder aber wird es
ein fundamentaler Wandel?
Werden die großen Mächte der
Weltwirtschaft - namentlich vor allem natürlich die U.S.A. - aus diesem
Tal der Tränen weiterhin als führende Nationen hervorgehen oder aber
ist dies eine Epoche des globalen Umbruchs und andere Staaten steigen
zu Führungsnationen auf? Die Geschichte hat immer wieder gezeigt, dass
jede noch so große Vormachtstellung irgendwann ein Ende findet.
Bleiben wir mal bei dieser These und stellen uns die Frage, wer die U.S.A. beerben könnte.
Da hätten wir als ersten Verdächtigen China. Dafür spricht die pure Masse an Einwohnern und damit die Größe des
Binnenmarktes. Außerdem spricht dafür, dass China in den letzten Jahren
unglaubliche Fortschritte gemacht hat. Trotzdem glaube ich nicht, dass
es China wird (jedenfalls noch nicht). Zu sehr ist China aktuell noch
der Exporteur von eher einfachen / billigen Produkten für die großen
Industrienationen. Außerdem steht China noch ein Umbruch bevor - an
irgendeinem Punkt wird das bisherige politische System sich nicht mehr
halten können, wenn der Bildungsstand ein gewisses Niveau in der Masse
der Bevölkerung erreicht hat.
Als zweier Verdächtiger wäre der
Nahe Osten zu nennen. Dafür spricht der momentane Reichtum zumindest
einiger Staaten, die ja im Geld ertrinken (namentlich natürlich Dubai).
Dagegen spricht eigentlich alles andere - außer Öl keine nennenswerten
Ressourcen und auch keine Diversifikation der Produktion. Sollte sich
der Ölpreis irgendwann mal wieder völlig beruhigen und/oder die
Alternativen durch den aktuellen Leidensdruckfertig werden, dann dürfte dies als ein Strohfeuer in die Wirtschaftsgeschichte eingehen.
Russland?
Auch hier hat nur der Öl-/Gaspreis ein kurzfristiges Strohfeuer
entflammt - politisches System und die immer noch mangelnde Produktion
von Gütern (Masse kriegt man dort hin - aber wie viele weltweit
erfolgreiche Marken gibt es aus Russland? Na...?). Hier kann man nur
hoffen, dass sich die Militärs nicht zu sehr mit dem Wiederaufbau alter
Machtsphären beschäftigen.
Indien? Nicht wirklich - auch hier
großer Binnenmarkt, allerdings mit massiven Problemen, da die
Bevölkerung in der Breite gar nicht vom Aufschwung profitiert. Hier
steht eher ein Rückabsturz zu befürchten...
Und mittlerweile ist die Auswahl dann schon relativ klein - letztlich sehe ich momentan nur zwei wirklich belastbare Theorien,
wie die Weltwirtschaft in 10 oder 20 Jahren aussehen wird. Entweder
kann sich die U.S.A. wieder fangen, erfindet sich in weiten Teilen neu
und bleibt an der Spitze oder aber die Europäer, die in den letzten
Jahren wirklich viele Fortschritte gemacht haben, schwingen sich wieder
zurück an die Weltspitze.
Zusammenfassend ist mein persönlicher
Tipp (und ja, sowas hat immer was mit einer Glaskugel zu tun), dass
sich Nordamerika und Europa noch weiter annähern (vielleicht sogar ein
Binnenmarkt) und auf Basis der guten Bildung und Infrastruktur
zumindest die nächsten Jahre gemeinsam weiter den Weltmarkt dominieren
werden.
Neben der reinen Frage, welche Nationen/Blöcke dominieren werden, stellt sich natürlich auch die Frage, wo das politische Pendel hin ausschlagen wird. Es steht zu erwarten, dass, wie immer in Zeiten der wirtschaftlichen Abschwünge, ein Linksruck auf uns zukommt. Schließlich ist es ja so einfach vom Staat zu fordern, er solle doch bitte schön irgendwie dafür sorgen, dass man sich selbst keine Sorgen machen muss. Hat auf Dauer noch nie funktioniert, aber wird wohl so kommen. Die Neoliberalen haben natürlich auch gerade ziemlich viel Porzellan zerschlagen...
Und das ist letztlich noch ein Argument für die U.S.A. - dort ist das Misstrauen gegenüber dem Staat so groß, dass hier weniger in dieser Richtung zu "befürchten" ist als anderswo. Damit wird es sicherlich in der Tiefphase den Amerikanern wohl dreckiger gehen als zum Beispiel den Deutschen oder Franzosen - aber am Ende des Tals wird sich zeigen, wer wieder die Nase vorn haben wird.
Das ist so ein Artikel, den man nach ein paar Jahren mal
wieder liest und dann kräftig lacht oder aber allen sagt: "Schau mal,
ich hab's ja gewusst" 
Jetzt ging es ja auf einmal dann doch ganz schnell - gerade erst wunderte ich mich noch, wie lange die tödliche Krankheit Weltwirtschaftskrise ausgelöst durch massive Spekulationswut und sehr verstärkt durch jahrelanges "weiter so, da habt ihr mehr G
Aufgenommen: Sep 30, 08:46