Dienstag, 22. August 2006Den Kopf in den Sand stecken?Trackbacks
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Mittlerweile glaube ich zwar fast, dass ich der einzige bin, der hier liest und kommentiert, aber nun gut...
Da ich mich im Moment nicht nur mit den Missständen in DE befasse, sondern vor allem gerne mal über den Ärmelkanal schiele, wie es dort ist und ob man dort besser wegkommt, gebe ich einfach mal meinen Senf dazu. Der Reihe nach: 1. Lohnnebenkosten Als Kleinunternehmer muss ich mich mit der Thematik auch auseinandersetzen. Leider. Man kann mit der Kritik schon auf viel niedrigerer Stufe ansetzen: Minijobs. Ausführlicher hab ich mich hier mit dem Thema befasst und den Vergleich zu England gezogen. Kurzform der rein deutschen Betrachtung: Hier zahlt der Arbeitgeber auf den Lohn von 400 EUR (mehr ist beim Minijob monatlich nicht drin) nochmal 30% pauschal an Steuern/Abgaben. Soll der Arbeitnehmer 401 EUR und mehr verdienen (vielleicht, weil er einfach gut war?), so zahlt der Arbeitgeber prozentual gesehen deutlich mehr und hat sich mit viel mehr Verwaltungsaufwand herumzuschlagen. Aber auch, wenn man normal vergügtete Jobs betrachtet, kann man nicht davon sprechen, dass es günstig oder überschaubar wäre (tust Du ja auch nicht). Nicht nur, dass sich der Arbeitgeber mit etlichen verschiedenen Stellen herumschlagen muss (Krankenkasse des Arbeitnehmers, BA, Rentenversicherungsträger usw.). Nein, es gibt auch noch etliche Möglichkeiten, wie es noch komplizierter wird: Vermögenswirksame Leistungen, Riester-Rente,... um nur zwei Beispiele zu nennen, die die Lohnabrechnung verkomplizieren. Naja, ich will nicht zu weit ausholen, stimme aber voll und ganz mit Dir überein, dass Kosten und Aufwand für den Arbeitgeber alles andere als motivierenden Charakter haben. 2. Sozialversicherungen Auch hier stimme ich zu. Die Rentenversicherung wird für unsere Generation nicht mehr funktionieren. Der "demographische Faktor" ist seit vielen Jahren bekannt und wurde lange Zeit ignoriert. So langsam realisiert die Politik, welche Fehler in der Vergangenheit gemacht wurden. Zu langsam. Rentenversicherung muss privatisiert werden. Jeder sollte selbst für sich sorgen. Alles andere wird nicht mehr funktionieren. In anderen Ländern (UK) ist das genauso: Jeder weiss, dass er selbst für sich sorgen muss. Punkt. Wenn jeder das weiss, kann auch jeder entsprechend handeln. Hierzulande scheint man aber von politischer Seite zu glauben, dass man dem Volk weiterhin vorgaukeln kann, die Rentenversicherung müsse nur korrigiert werden und alles würde gut werden. Blödsinn! Anstatt Klartext zu reden, damit auch wirklich jeder BILD-Leser die Situation realisiert und Vorkehrungen treffen kann, wird damit eine Abwarte-Haltung im Volk erzeugt. Dabei gehen weitere Jahre ins Land, in denen nicht privat vorgesorgt wird. Gerade in der Rentenversicherung gilt aber: Zeit ist Geld. Die Politik hält künstlich am ach so leistungsfähigen Sozialstaat fest, in dem jeder abgesichert sein soll. Nur leider ist das nicht zu finanzieren. Abwanderung von Unternehmen ins Ausland, Auswanderung von jungen und gut ausgebildeten Menschen, hohe Arbeitslosenzahlen, immer älter werdende Menschen. Diese Faktoren kann man nicht ignorieren. Sie sind Fakt. Und sie führen dazu, dass die Rentenkassen leerer werden. Auch dazu gebe ich -- frech wie ich bin -- nochmal einen Link 3. Kündigungsschutz Mit welchem Recht gehen Arbeitnehmer immer wieder davon aus, dass sie einen "sicheren" Arbeitsplatz haben müssten? Sie sollten dem Arbeitgeber, der das komplette Risiko trägt, dankbar sein, dass sie einen Job haben. Und als Anerkennung sollen sie arbeiten. So lange, wie es nötig ist und so viel wie zumutbar ist. Wenn sie mit den Konditionen nicht einverstanden sind, können sie gehen und sich einen anderen Job mit subjektiv besseren Konditionen suchen. Punkt. Radikale Ansicht? Für deutsche Verhältnisse sicherlich. Aber seien wir ehrlich: Der deutsche Arbeitsmarkt ist zu unflexibel. Allein die Tatsache, dass Jobs schon Monate im Voraus vakant werden (wegen der langen Kündigungsfristen) ist doch nicht sozial -- weder gegenüber den Arbeitnehmern, noch gegenüber den Arbeitgebern. Wer einen Job zu vergeben hat, möchte diesen schnell besetzen und nicht erst Monate warten, bis ein Wunschkandidat, der vielleicht noch woanders angestellt ist, endlich zur Verfügung steht. Wer einen Arbeitnehmer loswerden möchte, weil er nicht angemessen arbeitet, will ihn nicht noch Monate durchfüttern. Soviel zur Arbeitgebersicht. Und der Arbeitnehmer? Er möge mal in sich gehen, denn viele Arbeitnehmer sind mit ihrem Job vollkommen unzufrieden -- egal aus welchen Gründen. Also möchten sie gehen. Nicht in einem halben Jahr, nicht in einem Quartal, sondern möglichst schnell. Geht aber nicht. Und sein Kollege, der sich tätglich den Allerwertesten aufreißt, um seinen Job, der ihm vielleicht sogar Spaß macht, ausgezeichnet auszufüllen? Der darf alle paar Jahre mal um eine Gehaltserhöhung oder andere Annehmlichkeiten betteln. Vielleicht hat er damit auch mal Glück. Bis dahin bekommt er genau die selben Konditionen wie der unzufriedene erstgenannte Kollege, der nur noch die Zeit abreißt und nur das eben nötige Engagement zeigt, bis er endlich gehen kann. Er nutzt diese Zeit, um das Arbeitsklima zu verpesten und jüngere/motiviertere Kollegen herunterzuziehen. Nein, das ist kein utopisches/fiktives Beispiel, sondern sehr verbreitet. Wie kann man dieses Dilemma auf einen Schlag lösen? Durch - leistungsbezogene Vergütung - mehr Flexibilität (kürzere Kündigungsfristen für alle beteiligten) Wieder der Blick über den Ärmelkanal: - Kündigungsfristen nur wenige Wochen - Boni/Sonderzuwendungen an der Tagesordnung Ergebnis: Wer viel arbeitet, profitiert davon, denn diese Boni können das Jahresgehalt schon mal um 50-100% erhöhen. Firmenwagen, Rentenversicherung durch den Arbeitgeber, Aufstiegschancen. Alles Begriffe, die in DE eher für Skepsis sorgen würden ("bekomme ich das am Ende wirklich?"). In UK und den USA ist das der Weg des Arbeitgebers, um dem Arbeitnehmer zu zeigen: "Deine Arbeit ist gut! Du bist wertvoll für das Unternehmen!" Es ist eben mehr als eine Jubiläumsnadel nach 10 Jahren Betriebszugehörigkeit. Im Ergebnis sind die Arbeitnehmer gegenüber dem Arbeitgeber loyaler und identifizieren sich stärker mit der Firma, als dies hier der Fall wäre. Das führt zu noch mehr Motivation und qualitativ noch höherwertiger Arbeit. Ein Teufelskreis im positiven Sinne Und wer damit nicht zufrieden ist, kann kurzfristig einen neuen Job finden. Arbeitsplätze sind kein Selbstzweck. Es kann deswegen nicht Sinn und Zweck sein, Arbeitsplätze um jeden Preis zu sichern, sondern es muss das Ziel sein, gute Arbeit anzuerkennen und Motivation zu steigern. So, nun haben die Gewerkschaftsbrüder und Politiker das Wort, um Argumente hervorzubringen, die mich von Tarifverträgen, zwanghaftem Kündigungsschutz und viel zu komplizierter Bürokratie (aus Arbeitgebersicht) überzeugen wollen. 4. Steuern Dazu nur ganz kurz: würg Unser Steuersystem dient nur dazu, die Steuerberater- und Steuerfachanwalts-Lobby zu befriedigen. Zum einen ist das Steuerniveau (insbesondere die Unternehmenssteuern) viel zu hoch. Zum anderen sind die ganzen Fallstricke, aber auch die Einsparmöglichkeiten, viel zu unübersichtlich. Bevor man da einen Überblick hat, wurden dem Steuerberater bereits satte Beträge in den Schlund geschmissen, die ja nun dankenswerter Weise auch nicht mehr für jeden im Folgejahr steuermindernd wirken. Es werden also nicht nur viele Steuern gezahlt sondern auch viele Gelder, um überhaupt die tatsächliche Steuer zu ermitteln. Je nach Steuerart muss mittlerweile auf unterschiedliche Systeme zur Anmeldung zurückgegriffen werden (z.B. "Elster") oder alles doppelt und dreifach deklariert und an unterschiedliche Stellen weitergeleitet werden (Umsatzsteuer, insbesondere wenn innereuropäischer Handel statt fand). Um alles weiter zu erleichtern (achtung, Ironie), reicht es natürlich nicht aus, einen einheitlichen Stichtag für alle Steuern anzusetzen. Nein, damit der Unternehmer das gute deutsche Steuersystem niemals aus den Augen verlieren kann, gelten vollkommen unterschiedliche Termine und Fristen. In meinem nächsten Leben werde ich Steuerberater in Deutschland. Das steht fest. So, genug gemeckert. Trotz allem geht es uns ja (noch) sehr gut in Deutschland.
keine Angst, Du bist nicht der Einzige, der die Seite liest. Noch ist sie sehr jung und die Anzahl der Beiträge ist bescheiden - aber die Besucherströme wachsen ziemlich konstant an
Allerdings bist Du (neben Buntklicker Ziel ist ja, dass mehr wie Du Leser Deines Schlages hier vorbeischauen und wir hier eine richtige Diskussionskultur kriegen. Aber aus den Erfahrungen mit meinem anderen Blog weiß ich, dass die Besucherströme erst nach eine mittlereren zweistelligen Anzahl an Beiträgen ansteigen (dann ist für jeden was dabei und die Suchmaschinen haben auch so einige Begriffe, wo man mich oben findet). Da ich allerdings - wie in den FAQ geschrieben - eher seltener, dafür fundierter und mit mehr Absätzen, Artikel schreiben werden, kann das noch ein paar Wochen dauern. Wer immer das hier mitliest: Kommentare sind hier und bei allen anderen Beiträgen höchst willkommen
Irgendwie habe ich nie genug Zeit, mal einen richtig fundierten Kommentar zu diesem Artikel zu schreiben ... das liegt wahrscheinlich in der Natur Deines Blogs. Du machst Dir immer so viel Mühe mit Deinen Artikeln, daß man, ehe man einen "hingerotzten" Kommentar verfaßt, es lieber ganz bleiben läßt.
Aber ein paar Gedanken zu Deinem Artikel wollte ich doch mal loswerden. 1) Wenn ich schon mal eine Milchmädchenrechnung zum Thema Sozialversicherungsbeiträge gelesen habe, ist es Dein Artikel. Natürlich ist bei der Fiktion stabiler Beiträge völlig egal, wie die Aufteilung zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil vorgenommen wird, sofern man das Prinzip der Vertragsfreiheit mal eben außer Acht läßt. (Womit ich kein Problem hätte.) Aber die wahre Falle ist, daß die künftigen Steigerungen der Sozialversicherungsbeiträge dann plötzlich nur noch bei den Arbeitnehmern abgeladen werden. Das heißt, daß die Arbeitgeber aus der Solidarverantwortung für die steigenden Kosten des Gesundheitswesens komplett entlassen werden. Das geht natürlich gar nicht, weswegens Svens Modell leider völlig inakzeptabel bleibt.
Noch ein Kommentar zu 4) Steuern:
Niemand wird Dir ernsthaft widersprechen, wenn Du das deutsche Steuersystem als ungerecht und zu kompliziert geißelst. Ich bestimmt auch nicht. Nur gebe ich auch hier zu bedenken, daß einfache Antworten auch nur auf einfache Fragen passen. Das deutsche Steuersystem ist nicht ohne Grund so kompliziert ist, wie es ist. Steuern sind eben nicht nur ein Mechanismus der Finanzierung staatlicher Ausgaben, sondern auch ein Instrument der Steuerung des Verhaltens der Steuerpflichtigen. Und das ist auch nicht böse, sondern gut. Jedenfalls im Prinzip. Also: Natürlich ist jeder Aufruf zur Vereinfachung des Steuersystems willkommen. Aber der Aspekt der Steuerung (daher der Name) bei der Steuerpolitik darf nicht vergessen werden. Insofern ist jede Idee mit "glatten prozentuellen Sätzen" zum Scheitern verurteilt, weil damit jegliche politische Gestaltungsmöglichkeit entfallen würde. |
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sehr geehrter herr sven walter
..
entweder können sie nicht
oder wollen sie nicht begreife
n..
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Di, 08.01.2008 10:57
Vorab: Ich würde Dich bitten,
immer unter Deinem eigenem Nam
en oder Pseudonym zu posten -
gerne auch, wenn Du ande [...]
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Leider spitzt sich dieses Them
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seinandersetzungen ,Klagen ,Na
chtbarkriege sind die Fo [...]
Mi, 02.01.2008 16:13
Wenn sie so auf Ihre Gesundhei
t pochen dürften es keine Auto
s,Flugzeuge,Tanker,Stress ,Lär
m ,Disco,Ipod,Medikament [...]
Mi, 02.01.2008 12:50
Dann bin ich dafür (so, wie es
eine Karikatur in der letzten
Sonntags-FAZ auch so schön da
rstellte), dass ab jetzt [...]
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